|
Bildung als ein Weg aus der Armut – Dies ist ein weit verbreiteter Ansatz für Entwicklungshilfe.
Dahinter steht der Gedanke, dass sich jeder Mensch seiner eigenen Situation und der seines Landes bewusst werden muss, um dann zu erkennen, wie er gegebene Umstände verbessern könnte. Für diesen Prozess der Bewusstseinsbildung ist eine gewisse Allgemeinbildung von Nöten. Überhaupt sollte doch jeder Mensch dieser Erde die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen. Für die Bewohner der entwickelten Länder erscheint das oftmals schon sehr selbstverständlich und viele neigen dazu, zu vergessen, dass es weltweit eben doch sehr viele Menschen gibt, die niemals eine Schule besuchen können. Auch in unserem Partnerdorf Gati sah vor allem die Zukunft der Kinder alles andere als rosig aus.
Als wir im Juni 2005 den Schulpartnerschaftsvertrag mit der Kali Devi Primary School unterschrieben, verdiente diese die Bezeichnung „Schule“ eigentlich nicht. Das 2-stöckige Gebäude konnte nur in der unteren Etage genutzt werden, da nicht genügend Geld für den Bau einer Treppe vorhanden war. Die Ausstattung der Klassenzimmer, sofern vorhanden, war denkbar schlecht, die Tafeln waren als solche kaum erkennbar. Es gab kaum Bücher oder ausgleichende Spielmöglichkeiten. Für insgesamt 150 Schüler standen 2 Lehrer zur Verfügung, die allerdings nur sehr selten zum Unterricht erschienen. Auch konnten die Kinder die Schule nur bis zur 5. Klasse besuchen. Die älteren mussten einen zweistündigen Schulweg in Kauf nehmen, um in einem Dorf auf der anderen Seite des Tales die Schule besuchen zu können. Aus diesem Grund war für viele Kinder Gatis die Schulbildung nach der 5. Klasse beendet. Doch schon bei unserem zweiten Besuch in Gati, im Oktober 2006, berichteten uns die Dorfbewohner stolz von den ersten Fortschritten. So konnte die Grundschule (Primary School) mit Einführung einer sechsten Klasse zu einer weiterführenden Schule (Lower Secondary School) erweitert werden, die zweite Etage des Schulgebäudes war durch den Anbau einer Treppe endlich nutzbar, es gab 4 neue Schultafeln und neben den 2 staatlichen nun auch 3 zusätzliche Lehrer. Diese ersten positiven Entwicklungen gaben nicht nur uns eine gehörige Portion Selbstvertrauen, auch die Bewohner Gati wirkten motivierter und uns gegenüber entspannter, als noch ein Jahr zuvor. Wir konnten das erste Mal aufatmen. Denn gerade wenn es um die Beziehungen zwischen den Helfern und den Betroffenen geht, scheitern viele Projekte nach wenigen Jahren oder gar Monaten. Hilfe ist gut und schön, doch sie darf weder aufgezwungen, noch ein reines „Geschenk“ sein. Wir haben die Dorfgemeinde von Anfang an aktiv in unsere Pläne mit einbezogen und haben ihre Mitarbeit auch ganz klar gefordert. Dadurch entstand ein gegenseitiges Vertrauen, das für den Erfolg des Projekts unverzichtbar ist.
Als im Oktober 2007 bereits zum dritten Mal eine Gruppe von Schülern Gati besuchte, konnten wir begeistert feststellen, dass fast alle Schüler Schuluniformen trugen. Diese waren ein Wunsch des Schulkomitees gewesen. Die erste siebente Klasse konnte eingeführt werden und auch die Ausstattung der Klassenräume war durch neue Tische und Bänke verbessert worden. Die Kinder freuten sich besonders über eine neue Rutsche sowie weitere Spielsachen, die ihnen nun als Ausgleich zum Lernen zur Verfügung standen.
Auch 2008 hat sich an unserer Partnerschule eine Menge getan. So konnte in diesem Jahr zum Beispiel die erste 8. Klasse eingeführt werden. Mit dem damit verbundenen Zuwachs an Schülern stieg natürlich auch der Bedarf an Lehrkräften. Deshalb wurde ein neuer Englischlehrer namens Bishnu Kunwar eingestellt. Dass dieser seine Arbeit sehr gut macht, konnten wir während unserer vierten Nepalreise im Oktober feststellen: Zum ersten Mal begrüßten uns die Kinder in englischer Sprache als wir ins Dorf kamen. Auch von der sonst üblichen Schüchternheit, wie wir es von bisherigen Besuchen gewöhnt waren, war nicht mehr viel zu spüren. Neben dem Unterricht war der neue Lehrer auch auf anderen Gebieten sehr aktiv. Als wir uns im Herbst der Schule näherten, fiel uns gleich ein neu angelegter Pflanzgarten ins Auge. Dieser war auf Initiative des Englischlehrers angelegt wurden und er verkündete uns stolz, dass er nicht nur den Schülern das Anlegen von Gärten und Feldern näher bringen möchte, sondern auch den übrigen Dorfbewohnern. Insgesamt sind nun an der Schule 9 Lehrer beschäftigt, von denen zwei von der Regierung und sieben von der Schülerfirma bezahlt werden. Da sich die Schüler neben dem Unterricht zum Ausgleich auch ein wenig bewegen müssen, finanzierten wir den Bau eines Spiel- und Sportplatzes nahe der Schule. In Gati und Umgebung gibt es fast keine ebenen Flächen, deshalb konnten die Kinder bisher nirgendwo Fußball oder Volleyball spielen. Durch die Einebnung der Fläche neben dem Schulgebäude war dies jetzt möglich und wir hatten die Ehre, den Spielplatz während unseres Aufenthaltes in Gati im Oktober im Rahmen einer lang andauernden Zeremonie einzuweihen.
Schon ein Jahr später gab es wieder eine „Einweihungsparty“: Während der fünften Nepalreise 2009 konnten wir das zweite Schulgebäude einweihen, das pünktlich im Oktober fertiggestellt worden war. Zuvor halfen wir noch beim Streichen der neuen Klassenzimmer, beim Bau einer sanitären Anlage mit fließendem Wasser für die Schule und bei den Aufräumarbeiten auf dem Sportplatz, der durch den Schulbau etwas in Mitleidenschaft gezogen worden war. Mit dem neuen Schulgebäude stehen nun auch ab der 8. Klasse Unterrichtsräume zur Verfügung.  Das Schulgebäude 2005 | |  Alte und neue Schultafeln im Vergleich |  Die Schulbänke für die Kinder | |  Das Schulgebäude 2006 - Im Vordergrund der Schulgarten, oberhalb der neue Sportplatz |  Arbeiten am neuen Schulgebäude | |  Das neue Schulgebäude |  Die Schülerfirma packt an - Malern in den neuen Klassenräumen | |  Freiberg und Gati - Ein starkes Team |
|